Solinger Tagblatt

Der Privatdetektiv mag Kottenbutter

Die Ohligser Theatergruppe Gaudium präsentiert John Stanky (Simon Claus, links): Er löst den Fall im Hause Bellingham.
© Daniela Tobias

Die Ohligser Theatergruppe Gaudium überzeugt in ihrer aktuellen Inszenierung mit spleenigen Figuren rund um „John Stanky“.

Von Daniela Neumann 

Freitag, kurz vor 19.30 Uhr. Vor der evangelischen Stadtkirche Wittenbergstraße steht niemand mehr. Es hetzt auch keiner mehr zum Eingang. Die Besucher haben es sich vielmehr längst bequem gemacht im völlig umgestalteten Kirchenraum. Er hat dieses Mal das Flair eines Abendcafés der 30er Jahre – hervorgerufen schon durch die Kerzengefäße auf den Tischen und die eigens herausgegebene Zeitung „Chicago Herald“. Keine Frage, die Theatergruppe Gaudium hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um ihrem Publikum ein vergnügliches Theatererleben zu bescheren. Die Premiere ist – wie die weiteren vier Aufführungen der Inszenierung „John Stanky Privatdetektiv“ – bereits seit Wochen ausverkauft. Das rund 30-köpfige Theater-Team der evangelischen Kirchengemeinde Ohligs hat an alles gedacht: Von der Kulisse über die Frisuren bis zu den Kostümen herrscht die richtige „Glamour versus Ganoven“- Atmosphäre.

Krimi und Komödie zwischen Kottenbutter und Hummercreme

Als Regisseur hat Diakon Patrick Wilde die Krimikomödie von Andreas Kroll um einige Szenen und Ideen mit Solinger Bezügen bereichert. Im reichen Hause Bellingham werden da nicht nur als laufender Witz „Gürkchen“, sondern eben auch mal Kottenbuttern verlangt. Für den frischen Wind hierbei sorgt zum einen Simon Claus in seiner Rolle als abgehalfterter, aber humoriger Privatdetektiv John Stanky. Aufgrund einer Verwechslung bekommt er den finanziell lukrativen Job bei den Bellinghams. Claus füllt die Rolle so gut, weil er sich selbst darin auch mal auf die Schippe nehmen kann. Zum anderen sorgt Tanja Gnaß als verwirrt-kauzige wie auch mal geniale Tante Helen immer wieder für Lacher. Man achte darauf, was sie und der Privatdetektiv an der feinen Tafel rund um die Hummercremesuppe anstellen!

Rollengemäß ernster versucht Bellingham-Enkelin Alice aus dem starren Hauskonzept rund um die Familienehre auszubrechen. Annette Günther zeigt die Jung-Witwe als starke, unnachgiebige und unabhängige Powerfrau. Die weiteren Ensemblemitglieder gestalten ihre Figuren mit eigenen Spleens: Ulrike Hostertz wird zur weinerlich-affektierten Tante Ashley, Alexander Kastner zum bewusst tatterigen Butler Alfred. Sie alle gruppieren sich immer wieder um Lady Elizabeth Bellingham.

THEATER GAUDIUM

TERMINE Nächstes Stück: „Und alles auf Krankenschein“ am 27., 28., 29. Januar (15 Uhr) sowie 3. und 4. Februar 2017, 19.30 Uhr. 

INFO Für Interessierte jeden Alters/Förderer: Tel. 2 33 63 92, info@theater-gaudium.de

Die Patriarchin spielt Dörte Kiel mit Impulsivität, woran sie die eigentliche Verletzlichkeit ihrer Figur aufzeigt. Denn es ist so, dass die Lady erpresst wird. Von wem, das soll John Stanky als vorgeblicher Bekannter und vermeintlicher Verlobter von Enkelin Alice nach und nach herausfinden. Welche Rolle dabei seine Sekretärin Olivia (ebenfalls mit Schmackes: Hannah Wilde), Familien-Onkel Thomas (Mario Baumgart), Hausangestellte Claire (Ronja Claus) oder gar die Mafia (Mario Freund, Felix Baumgart, Christian Lorisch) spielen, erfahren die Zuschauer nach rund zweieinhalb Stunden im liebevoll dekorierten Bellingham-Familiensitz. Am Ende dankt das Publikum verdient auch Kleinem wie dem „lebenden Bild“ Christine Baumgart als Souffleuse mit herzlichem Applaus.

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