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Strahlender Auftakt zu „John Stanky“

Am vergangenen Samstag war es soweit: Auftakt beim Berg am Laimer Theatersommer! Und bei dieser ersten Aufführung von „John Stanky – Privatdetektiv“ strahlten alle um die Wette: die Sonne, die Schauspieler und die Zuschauer.

Ein wunderbares Wetter hatte die Theatergruppe Artanos zur Premiere des Berg am Laimer Sommertheaters. So war auch der „Saal“, die Freifläche im Behrpark bei der 1. Aufführung voll besetzt. Der Krimi „John Stanky – Privatdetektiv“, in dessen 1. Akt unser Bild entstand, wird nochmal am 23., 24., 30. und 31. Juli um 19.30 Uhr aufgeführt. Bei schönem Wetter im Behrpark, bei schlechtem Wetter in der Aula der Maria-Ward-Realschule. Foto: Karl Hirt

Bei der ersten Freilicht-Premiere seit Jahren fanden sich rund 140 Besucher im Behrpark ein und getragen vom Lachen und Mitleben des Publikums legte das Ensemble Artanos eine mitreißende Vorstellung hin. So kann man auf die Fortsetzung an den kommenden zwei Juliwochenenden gespannt sein – noch vier Vorstellungen stehen bevor. Chicago im Behrpark Vieles ist er schon gewesen, der sommerliche Behrpark: ein englischer Zauberwald, ein russisches Dorf, eine deutsche Kleinstadt oder eine venezianische Piazza. Dieses Mal verwandelt die heimische Theatertruppe die kleine Grünoase im Herzen des Stadtviertels in das wilde Chicago der 30er Jahre, Heimat des Titelhelden John Stanky. Ein Krimi im Gangstermilieu also, mit einem hartgesottenen Helden, mit Schießereien und Verfolgungsjagden? Nun, der Held ist wohl nicht ganz so hartgesotten und seine Auftraggeber sind höchst respektabel, außerdem reich, adelig, snobistisch, teilweise ziemlich verrückt und ihre Kreise sind keineswegs zwielichtig – zumindest auf den ersten Blick. Suspekt scheint hier eher der Gast, der in ihre ländliche Idylle eindringt – höchst suspekt, wenn man den Butler der Familie fragt, selbst Inbegriff von altenglischem Stil und Tradition. Wenn nun Schnüffler und Butler aufeinandertreffen, kommt schnell zum Krimi die Komödie, zum Detektivroman die Gesellschaftssatire. In dieser ebenso vergnüglichen wie spannenden Mischung kann man altbekannte Figuren in ganz neuen Kombinationen antreffen: die verrückten und die verbiesterten Tanten, die alte Lady und ihr unentbehrliches Faktotum, das neugierige Hausmädchen, die schöne Heldin und den coolen Helden, neu gemixt und mit viel Tempo auf die Bühne gebracht. Verkehrte Welt Sobald die explosive Mischung gezündet wird, beginnt die Fassade der ehrenwerten Familie Winston schnell zu bröckeln. Dunkle Familiengeheimnisse werden gelüftet, überkommene Traditionen in Frage gestellt, alte Streitigkeiten brechen wieder auf, die heile Welt wird auf den Kopf gestellt – die Folgen sind unabsehbar. Denn so mancher würde für die Familienehre alles tun. Während der Außenseiter Stanky sich in diesem Wirrwarr immer mehr einlebt und seine Ermittlungen vorantreibt, scheint fast Butler Alfred als der einsame Held dazustehen, der das Fähnchen der Familie hochhält: „immer loyal, seit über 50 Jahren!“ Mit Laune inszeniert Wer Artanos kennt, der kann sich vorstellen, dass dieser Mix aus Krimi und Komödie, aus Spaß und Ernst wie gemacht ist für das Berg am Laimer Ensemble. Wortwitz und Situationskomik, und auch die Doppelbödigkeit des britischen Humors, der schon mal im Halse stecken bleibt, das liegt ihnen ebenso wie der schnelle Schlagabtausch auf der Bühne. So sorgte auch bei der zweiten Vorstellung in der Maria-Ward-Schule die Spielfreude der Schauspieler für einen vergnüglichen Abend – vor einem höchst aufmerksamen Publikum. Da blieb kein Einwurf, kein Wortspiel und keine Geste „unkommentiert“, es wurde gelacht, geschmunzelt, mitgefiebert und geklatscht. Noch lockerer als bei der Premiere warfen sich die Schauspieler auf der Bühne die Bälle zu – da war nichts davon zu spüren, dass sich für diese Saison die Truppe ganz neu gefunden hatte. Die Geschwister Winston werden vom Kreis der Stammschauspieler dargestellt und so strahlt diese Familie wunderbar die große Vertrautheit aus, die sich mit langem Zusammenleben einstellt – kleine Bosheiten inbegriffen. Daneben brillieren Neueinsteiger in Haupt- und Nebenrollen: Umwerfend das Bedienstetenpaar, Butler Alfred und Hausmädchen Claire, im verbalen Schlagabtausch, und auch bei der ungleichen Paarung von (neuer) Heldin Lady Alice und (altem) Helden John Stanky sprühen die Funken. Wie es denn nun ausgeht – das wird hier selbstverständlich nicht verraten, um den Zuschauern der nächsten Vorstellungen die Spannung nicht zu nehmen. Denn wie heißt es im Stück: „Wissen tu ich viel, aber  …“ Noch vier weitere Vorstellungen bieten Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen: bei schönem Wetter auf der Freilichtbühne im Behrpark an der Baumkirchner Straße 26, bei Regen im Theatersaal der Realschule Maria Ward in der Josephsburgstraße 22. An beiden Spielorten sorgt der Bürgerkreis übrigens für die Pausenbewirtung mit Wasser, Wein und Saftschorle zu moderaten Preisen. Und damit die Zuschauer auch bei unsicherer Wetterlage wissen, wohin sie sich auf den Weg machen müssen, bietet Artanos auf der Internetseite www.artanos.de einen besonderen Service: Da findet sich nicht nur der neueste Wetterbericht und ein Lageplan der Spielorte, auch der Spielort des Tages wird aktuell angezeigt. Nach gelungenem Auftakt freut sich Artanos nun auf die Fortsetzung am nächsten und übernächsten Wochenende und auf viel Publikum: am 23./24. Juli und am 30./31. Juli hebt sich der Vorhang zu den weiteren Vorstellungen. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

"Diese verdammte Prohibition gehört endlich abgeschafft!"

"Nehmen Sie den Auftrag an?" – "Wenn Sie von Adel sind, muss ich Ihnen mehr berechnen ..."

"Danke, Alfred. Und zu niemandem ein Wort! Wenn das herauskommt ..."

"Hauptsache alle sind gesund! Wenn nur diese Nashörner nicht wären ..."

"Wissen tu ich viel...
Aber ich bin stets loyal!"

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