Schlitzer Bote

Krimi ohne Mimmi Mord und Totschlag zum Schmunzeln und Nachdenken entzückte die Schlitzer

SCHLITZ Von wegen: In Schlitz sei ja nix los: Das evangelische Gemeindehaus platzte fast aus allen Nähten, als im vollen Haus am Samstag, dem 19. Juni, Krimibegeisterte auf Stühle und Stehplätze gelockt wurden.
Geboten wurde Laientheater vom Feinsten - immer ging es nur um das Eine: Das Böse, ohne Rast und Ruh, schlägt immer und überall - manchmal lautlos - zu.
Neun kleinere und größere Krimisketche kamen auf die Bühne: Eine Frau, die ihren mittlerweile mumifizierten Ehemann zehn Jahre im Keller versteckte, um seine Rente zu kassieren. Auch von zwei älteren Damen (Katrin Wahl und Doris Möller) war die Rede, die, wenn sie nicht pünktlich ihre Demenzpillen eingenommen hatten, sich so recht an nichts mehr erinnern konnten und deshalb so manchen illustren Mord begingen. Nicht übel wurde auch gezeigt, wie aus Tätern Opfer werden und aus Opfern Täter (Judith Völzke). Obendrein wollte ein schier verzweifelter Bankräuber (Pfr. Johannes Wildner) mit seinen Kumpanen (Bärbel Schäfer-Pierre) einen Banküberfall planen, während seine Ehefrau (Susanne Scheuls-Richter) nach einigen Verwicklungen beiläufig fallen ließ, dass die ausgespähte Filiale bis Oktober wegen Renovierung geschlossen sei. Dumm gelaufen.
Realsatire pur: Ein Bauunternehmer versucht, einen hilflosen Beamten (Andre Niemann) zu bestechen, bei der Auftragsvergabe berücksichtigt zu werden.
Zwischen den Bühnenbildern hat Käthe Wildner die Sketche anmoderiert - ladylike in großer schwarzer Robe - und bekam für ihren Auftritt Ehrenapplaus, ebenso wie - very british - Lady Abigail Woodhouse (Christina Gerbig-Feick), die als Souffleuse glücklicherweise wenig zu tun hatte.
Tolles Theater erkennt man daran, dass man die Mühe, die dahinter steckt, gerade nicht erkennt. Wer näht die Vorhänge? Wer kann Kostüme besorgen? Wer kümmert sich um die Technik, um Schmalzbrot und Getränke in der Pause? Wer beaufsichtigt die Kinder, wenn jede Woche einmal zur Probe gebeten wird?
Flüssig, locker und elegant gingen die Stücke leichtfüßig über die Bühne, ohne seicht oder gar langweilig zu wirken. Mit Ute Spörer-Möller haben neun Enthusiasten ihre Neigung entdeckt, nun gilt es, sie zu unterstützen, damit wir noch mit einem Schwarm neuer Aufführungen rechnen können und wir es nicht nur mit einer Eintagsfliege zu tun haben (Fotos: Olaf Richter; Text: Dr. Jochen Boettcher).

Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht!
Die Schauspieler.
Gebannte Zuschauer verfolgten das Geschehen auf der Bühne.
Planung ist das A und O.
Miss Abigail Woodhouse.
Trude und Liesbet beim Verhör.
Krimitheater in Schlitz.
Spielszene.
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