Pfälzischer Merkur

Ins Moor statt zum Altar

Blieskastel. "Nedderknöfel" - das klingt wie ein Ort in den Niederlanden. Oder, als wäre es irgendwo in der Provinz. Sozusagen "In the Middle of nowhere", - in Mitten des Niemandslands. Treffer: Das Kaff befindet sich zumindest mental auf einer Ebene mit Frankfurt am Main, Nirgendwo und mit - Mimbach. Da, wo jeder irgendwie mit jedem verwandt ist. Sagt man.

Polizeiwachtmeister Manfred Görgen (Jonas Becker) verhört Franziska Neddermeyer (Anja Jung). Foto: Jörg Martin

. Blieskastel. "Nedderknöfel" - das klingt wie ein Ort in den Niederlanden. Oder, als wäre es irgendwo in der Provinz. Sozusagen "In the Middle of nowhere", - in Mitten des Niemandslands. Treffer: Das Kaff befindet sich zumindest mental auf einer Ebene mit Frankfurt am Main, Nirgendwo und mit - Mimbach. Da, wo jeder irgendwie mit jedem verwandt ist. Sagt man. Und genau dahin hat es Polizeiwachtmeister Manfred Görgen (Jonas Becker) hinverschlagen. "Willkommen in Nedderknöfel" (Spielleitung: Eric Moschel), so lautet der nur rund 45 Minuten andauernde Einakter, den sich die Theatergruppe des Musikverein "Frohsinn" Mimbach für den dritten Teil des Konzertes am Samstagabend ausgesucht hatte in der gut besuchten Bliestalhalle.

Zurück zu "Manni" Görgen. Der Mann hat es nicht leicht: War er zuvor in einer "normalen" Polizeiwache Saarbrückens im Einsatz, so findet er sich nun in Nedderknöfel wieder. Einem Kaff, wo die Polizeidienststelle keinen PC, sondern eine Uralt-Schreibmaschine hat. Und das alles nur, weil er seine Dienstwaffe mit der Radarpistole verwechselte. Strafversetzt ins Niemandsland. Und dann noch bei solch einem Kollegen wie Tommy Wintermeyer (Eric Moschel). Der Mann, der mit seiner schwul-tuntigen Art alles - aber wirklich alles - komisch werden lässt. Gut - sein pinkfarbener Cowboyhut, die rosafarbenen Hosenträger und die mit rotem Plüsch besetzten Handschellen tun ihr übriges. Die Einöde und ein Kollege, der die Wache mit einem Café verwechselt, sind nicht das Einzige, was Polizist Görgen das Leben schwer macht. Sieht man einmal vom Gülleduft und dem Geruch der großen, weiten Welt der Kläranlage ab: Es ist die holde Weiblichkeit des Ortes. Vielmehr die mannstollen Witwen. Sie haben alle ihren früheren Angetrauten auf dem Gewissen, das fällt dem Nedderknöfeler Neupolizisten, im Gegensatz zu Tommy, schnell auf. Da ist beispielsweise Gudrun Schlottermeyer (Julia Reischmann), deren Mann ins Osterfeuer stürzte. Die Lebensversicherung ermöglichte der Witwe einen Neustart mit einem Sonnenstudio. Oder Agnes (Kristina Tholl), die aufdringliche Bürgermeisterin mit der drallen Oberweite. Ihr Mann wurde vom Trecker überfahren. Das sei alles ein riesiges Spinnennetz, bewohnt von schwarzen Witwen, meint Manni Görgen. Agnes ist da anderer Meinung, als sie feststellt, das der neue smarte Polizist mit dem genialen Rasierwasser-Geruch ihr und ihren Freundinnen auf die Spur kommt: Nein, das seien alles keine Morde gewesen. Vielmehr Nachbarschaftshilfe. Und überhaupt stelle das ja alles einen Beitrag zu "Unser Dorf soll schöner werden" dar. Görgen habe nur noch eine Chance: Er müsse sie heiraten. Nein, das geht gar nicht. Er stürzt sich ins Moor, wie der ein oder andere Mann auch. Nur, das Görgen dies freiwillig tut. Ja, die Einöde. Sie kann einen in den Wahnsinn treiben. jma

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