Rems Zeitung

Gmünder Bühne präsentiert makabre Krimi-​Sketche: Acht Szenen aus der Unterwelt mit erstaunlichen Wendungen

Mord und Totschlag, Kunstraub und Betrug: „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht“. Doch die „Mini-​Krimi-​Sketch-​Show“ von Andreas Kroll, welche die Gmünder Bühne derzeit auf selbige bringt, zeichnet sich durch ihren schwarzen Humor aus. In acht Sketchen treten 14 Akteure auf.

THEATER (wil). Anne Sickor ist die Rolle der mondänen Moderatorin wie auf den Leib geschrieben, so lässig aber doch geheimnisvoll führt sie das Publikum von Szene zu Szene. Und gleich der erste Sketch hat es in sich. Günter Haußmann und Uwe Kreusel haben eine Dame entführt. Aber Gisela Doneit als „Opfer“ hat mehr Erfahrung in kriminellen Dingen als ihre Entführer und schnell übernimmt sie die Leitung der Aktion, erhöht ihr Lösegeld und versetzt die Männer in Angst und Schrecken, da sie sich anscheinend mit der Mafia eingelassen haben. Doch dann nimmt alles eine unerwartete Wende, die hier nicht verraten werden soll.

Dieter Weigel und Kurt Kleiber bestechen beim Museumseinbruch vor allem durch ihre „Standfestigkeit“, indem sie bei ihrer Entdeckung einfach zu Statuen werden und etliche lustige Seitenhiebe auf die moderne Kunst provozieren.

Der Sketch „Planung“ gehört eindeutig Ernst Kittel und der nervigen Elvira Waldeyer, die hier Szenen einer Ehe spielen. Kittel als alternder „Boss“ plant einen Einbruch in die Sparkasse und die treusorgende Gattin pfuscht laufend dazwischen, überlagert die ganze Planung mit einer Diskussion über einen falschen Käsekauf und bringt schließlich das ganze Projekt mit einer einfachen Feststellung zu Fall. Zwei Szenen beschäftigen sich — unterschiedlicher wie es nicht geht — mit Profikillern. In der einen treibt der geheimnisvolle Besucher (Reinhard Haseidl) sein Opfer Sir Henry (Wolfgang Vogt) durch wohl dosiert eingesetzte Informationen zum Selbstmord und gibt dem Abend den psychologisch-​intellektuellen Touch. In der anderen Szene lässt sich Ernst Kittel als Pate über den Tod seines Gegenspieler Bergamelli unterrichten. Ganz in elegantem Schwarz gekleidet sitzt der Pate im riesigen weißen Ledersessel und folgt dem Bericht von Franco und Luigi, die wohl alles falsch gemacht haben, was nur geht. Kittels Mienenspiel, seine Stimmfrequenz und seine zunehmende Hilflosigkeit und Verwirrung sind wohl der schauspielerische Höhepunkt des an ausgezeichneten Leistungen reichen Abends.
Aber jede Szene hat ihren Gag — so auch das Partygespräch von Gisela Doneit und Sabine Stahl, die die „Geschäfte“ ihrer Männer durchhecheln. Zigarettenschmuggel lohnt nicht mehr, so steigt man auf gefälschtes Viagra um und der andere hat sich auf Luftabwehrraketen spezialisiert. Nur die Kinder machen Sorgen und schlagen aus der Art, will die Tochter doch gar Staatsanwältin werden.
Weniger Sorgen machen sich Roswitha Nusser und Rose Maier als ältere Schwestern bei ihrem Verhör. Ein bisschen klingt Arsen und Spitzenhäubchen an, doch das wissen die beiden souverän in den Hintergrund zu spielen. Sie sind neugierig auf den Kommissar, würden am liebsten von Hansjörg Felmy verhört und der arme Reinhard Haseidl muss sich gegen die gesamte Fernsehkonkurrenz behaupten. Doch was mit einer Geschwindigkeitsübertretung anfängt, wächst sich rasch zu einem handfesten Verbrechen aus, schließlich ist der Besitzer des Autos seit Wochen verschwunden. Und auch dieser Fall nimmt noch eine unerwartete Wendung, die weit über Demenz hinausgeht.

Reinhard Haseidl ist auf die Rolle des Ermittlers programmiert, denn auch bei seinem dritten Auftritt sucht er die Wahrheit. Diesmal bei Ruth Kopper, deren pensionierter Mann nur noch für die Rentenkasse existent zu sein scheint. Als sein persönliches Erscheinen verlangt wird, schlüpft Ruth Kopper selbst in seine Rolle und hat für alles eine plausible Erklärung. Als dann aber noch nach der 110-​jährigen Mutter gefragt wird, kommt die lapidare Antwort, diese stehe in der Besenkammer.

Ihr Jubiläumsauftritt ist der Gmünder Bühne sicherlich geglückt, so viel Spannung, Gags und Pointen und vor allem solch exzellente Charaktere findet man selten. Jeder einzelne der Akteure füllte seine Rolle jederzeit souverän und perfekt aus und trug zu einem insgesamt ausgezeichnet gelungenen Abend bei.

Zurück