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Mettmann

Theater-Spiel-Show

Unter Anleitung der Regisseurin Walburga Lambrecht proben Hauptschüler im Jugendhaus. Dort werden „Fußballgeschichte(n)“ im April dann auch aufgeführt. FOTO: RPO

Düsseldorf. Hauptschüler spielen „Fußballgeschichte(n)“. Aufführungen sind im April zu sehen. Entwicklung des Balltretens vom Neandertaler bis zur Neuzeit wird aufgezeigt. Von R. Mairose-Gundermann

WÜLFRATH „Tor“, brüllen Jugendliche. „Das war kein Tor“, kontern andere. „Es war doch eins!“ Marcel schaltet sich ein. „Wir stimmen darüber ab. Wir sind schließlich Griechen.“ Bekanntlich haben die Griechen die Demokratie erfunden. Und die frisst Zeit! Im Leben wie hier auf der Bühne. Ob das Tor ein Tor war, erfährt der Zuschauer nie. Die Griechen stimmen erst einmal ab, wie viele Stimmen jeder hat. „Ich bin für direkte Demokratie“, wirft Katharina ein. „Fragen wir doch die Zuschauer.“ Der Zuschauerraum ist leer und dunkel.

Die Akteure, Schüler der Hauptschule Wolverothe, arbeiten im Disco-Raum des Jugendhauses an dem neuen Theaterprojekt, „Fußballgeschichte(n)“. Die Theater-Spiel-Show von Andreas Kroll blättert in 20 Szenen die wechselvolle Geschichte des Fußballs auf, von Neandertalern bis zur Neuzeit. „Jeder Mitwirkende hat unterschiedliche Lieblingsszenen. Wir gehen davon aus, dass auch für jeden Zuschauer etwas dabei ist“, sagt Lehrerin Walburga Lambrecht.

Donnerstags nach der Schule

Geprobt wird donnerstags nach der Schule. Bei einigen zurzeit noch mit Textbuch in der Hand. „Solange ihr noch in die Hefte guckt, könnt ihr nicht frei spielen“, mahnt Lambrecht. Heute werden Szenen in lockerer Reihenfolge geprobt. Ohne Theaterkostüme. Die kommen erst zum Einsatz, wenn Theaterpädagogin Ute Kranz den Schülern in der Projektwoche im April den letzten Schliff verpasst. Dann werden auch Musikstücke und DVD-Sequenzen eingespielt.

„Guten Tag, Frau Faustkeil.“ „Guten Tag, Fellschabe.“ Katharina und Sabrina lassen im Gespräch die Nachbarn aus dem Neandertal aufleben. Herr Fellschabe lässt sich gerade bei Eintracht Knochenbruch zum Trainer ausbilden. „So ein ordinärer Sport“, meint Frau Faustkeil. Ihr Mann war Höhlenmaler. Jetzt schult er bei der VHS um, „Aufrechtgehen für Fortgeschrittene.“

Szenenwechsel. Fußball bei den alten Ägyptern. „Der Werdegang konnte anhand von Hieroglyphen rekonstruiert werden“, führt Rebecca ein. Mit dem neuen Sport sollen die Pyramidenbauer „bei Laune“ gehalten werden. Pharao und Sportminister (Danny und Dustin) legen die Regeln fest. Elf Spieler auf jeder Seite.„Wer soll denn sonst die Pyramiden bauen?!“ Unter Nero hat das desaströse Ergebnis seiner Lieblingsmannschaft schlimme Folgen für Rom.„Man gebe mir eine Fackel“, fordert der Kaiser.

In den neuzeitlichen Szenen nehmen sich die Spieler Hooligans, Glückssocken, evolutionäre Rückentwicklung von Zuschauern vor. „Unsere Stücke sind sonst problembehaftet. Diesmal bringen wir etwas Anderes, etwas Lockeres“, berichtet Lambrecht, die Theaterbesuch, Theater spielen, Besuch eines wertvollen Kinofilms in den Deutsch- Unterricht eingebaut hat.

Ursprünglich wollte sie in dem neuen Theaterprojekt „etwas Aktuelles machen.“ Für „Die Schaukel“, bei dem es um die Gerichtsverhandlung nach einer Vergewaltigung geht, oder „Ich knall euch ab“ (Thema, „Gewalt in der Schule“) fehlten ihr die älteren Schüler. Mit Blick auf die Abschlussprüfung wollten sich die Zehnklässler nichts nebenher vornehmen. Achtklässler, die sich auf den Aufruf für das neue Projekt meldeten, schienen ihr für diese Problemstücke noch nicht geeignet.

Auf der Suche nach etwas Geeignetem, auch hinsichtlich der Anzahl der Rollen, empfahl ihr der Theaterverlag die humorvolle Theater-Spiel-Show. Die Begeisterung der sommerlichen WM noch im Kopf, lief Lambrecht mit den Fußballszenen bei den Schülern offene Türen ein. Zehnklässlerin Rebecca, die bei der letzten Produktion soviel Theaterblut leckte, dass sie jetzt beim Theater Minestrone mitwirkt, wollte eigentlich nur moderieren. Für eine ausgefallene Akteurin sprang sie nun gleich in mehreren Rollen ein. Zu den „alten Hasen“ gehört auch Danny. „Ich mache schon beim dritten Theaterprojekt mit!“

Quelle: RP

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