Sächsische Zeitung (SZ-Online.de)

Auf alten Schiffen lernt man segeln

Das Kamenzer Amateurtheater feierte eine umjubelte Premiere von „Auch Omas brauchen Liebe“. Gleich dreimal füllt man damit das Stadttheater.

Von Ina Förster

Nadine Vogelsang (26) spielt im Stück eine jung gebliebene 62-Jährige, die sich auf die Suche nach einem Partner macht. Auf die Annonce antwortet auch ein pensionierter Grundschule-Direktor mit kleinen Macken (Günter Haberstroh).

© Ina Förster

Kamenz. Finger weg, die Männer gehören mir!“ Oma Matilda steckt ihr Terrain beizeiten ab. Immerhin hat sie die Kontakt-Anzeige auch ganz allein in der Zeitung aufgegeben. Dass ihre Freundinnen nun etwas neidisch sind und bei den Dates mit den potenziellen Freiern gern Mäuschen spielen würden, ist trotzdem verständlich. Und da gute Freundinnen alles teilen, dürfen sie dann doch mitmischen. In einer Theaterkomödie endet so etwas nur meistens im Chaos …

Wie auch im neuesten Stück des Kamenzer Amateurtheaters. Am Freitagabend feierte „Auch Omas brauchen Liebe“ eine viel beklatschte Premiere im Stadttheater. Sogar Zusatzstühle mussten an den Rand gestellt werden. Am Sonnabend sah es nicht anders aus. Fans von kleinen, feinen Komödien kamen voll auf ihre Kosten. Das rüstige Damenkränzchen um Matilda, Frieda, Thea und Marta bewies nun schon zum dritten Mal in Folge, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Und wenn, dann wird das Feuer immer schön geschürt, ehe es zu erlöschen droht.

Die Vier sind die Protagonistinnen einer Schwank-Trilogie von Theaterautor Andreas Kroll. Seiner Feder sind die skurrilen Rollen entsprungen. Seit 2013 nutzen die Mimen des Kamenzer Amateurtheaters den Stoff für ihre Inszenierungen. Mit Erfolg. Zur Stammbesetzung gehören Ulrike Mitschke, Nadine Vogelsang, Konstanze Mark sowie Jacqueline Wirth-Hasler. Jahr für Jahr werfen sie sich in geblümte Kleider, karierte Schürzen und verstaubte Nerze. Streifen ihre Grauhaarperücken über und schminken sich auf Endsechziger. Die jüngste Schauspielerin ist dabei allerdings gerade mal 26 Jahre alt. Eine Herausforderung also! Das Thema spätes Liebesglück flackerte in den vorangegangenen Stücken immer schon kurz auf. Und traf mit seiner Skurrilität natürlich den Nerv der Zuschauer. Das hatte sich Regisseur Günter Haberstroh aus Biehla diesmal zunutze gemacht und die kleine Prise Sex im Alter zu einer handfesten Portion ausgeweitet. Das Thema ist eh kein Tabu mehr. Dank Flirtportalen im Internet und mannigfaltigen Annonce-Angeboten suchen und finden Endsechziger heutzutage ganz souverän neue Partner. Auch, weil die heutige 60 vielleicht die neue 50 ist? Mindestens! Das Team um Günter Haberstroh jedenfalls hat wieder gute Arbeit abgeliefert. Und man spürte die Spielfreude des Damen-Quartetts. Irgendwie ist es schon so, als ob man gute alte Bekannte wiedertrifft, die man nur einfach ein Jahr lang nicht gesehen hat. Auch die potenziellen Ehemänner ließen kein Auge trocken. Mit Sebastian Pieper und Holger Benzner waren zwei neue Gesichter mit an Bord, die sich wunderbar mit den Damen ergänzten. Sogar der Herr Regisseur schlüpfte in eine Doppelrolle.

Wenn Matilda, Frieda, Thea und Marta zum Beruhigungs-Schnaps greifen müssen, dann bleibt kein Auge trocken. Und sie mussten öfters zulangen. Kein Wunder, wenn die Herren ihre Zuschriften mit anzüglichen Fotos bestücken. Oder mit Adelstiteln, pädagogischen Schrulligkeiten und einer echten Aal-Torte punkten wollen. Wie weit die Omas auf ihrer Jagd nach dem passenden Pendant gehen und ob die Vier am Ende glücklich werden, das kann man sich übrigens kommenden Sonnabend ein letztes Mal ansehen. Es gibt noch wenige Restkarten in der Kamenz-Info! Günter Haberstrohs Devise „Lieber wenige Vorstellungen, dafür aber immer ein volles Haus“, ist jedenfalls erneut aufgegangen.

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