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Theater

Maulaffenfeil - Dreifacher Jodler für witzige Nummern-Revue 

Die Theatergruppe "Maulaffenfeil" hat sich diesmal mit der Beziehung von Männern und Frauen zueinander beschäftigt. Foto: Thomas Winterberg

Brilon. Ja, die Vroni und der Toni Rammelhuber von der Tingeltangeltruppe haben es auch nicht leicht. Denn das mutant anmutende Musikanten-Duo zieht bedirndlt und krachlederbehost von einem Stadel zum nächsten, um bajuwarischen Frohsinn zu versprühen. In einem „Bergdorf“ namens Brilon moderieren die beiden eine Szenen-Show, bei der es um das besondere Verhältnis zwischen Männern und Frauen geht. Und Hand aufs Herz: Wer hat sich da - zumindest in manchen überspitzten Situationen - nicht wiedergefunden?

Das ist der Rahmen für die urkomische Nummern-Revue „Männer und Frauen“, mit der die Theatergruppe „Maulaffenfeil“ im Bürgerzentrum Kolpinghaus vor jeweils 370 Zuschauern voll den Nerv des Publikums traf. Die Schaupieltruppe war im fünften Jahr ihres Bestehens nicht zu beneiden.

Spätestens nach dem selbst verfassten und sehr aufwändig gemachten Stück „Der weiße Wolfgang vom Rösslsee“ im vergangenen Jahr war jedem klar: Das kann man nicht mehr toppen. Muss man aber auch gar nicht, wenn man mutig ist und etwas ganz anderes probiert. Die Akteure suchten und wurden mit einer – wenn auch hier und da etwas derberen – loriothaften Aneinanderreihung von Sketchen aus der Feder von Andreas Kroll fündig.

34 Rollen gespielt von drei Männern und drei Frauen – das war schon eine ambitionierte Herausforderung. Aber dann musste eine der Akteurinnen auch noch am Premierentag mit einer Bandscheibengeschichte ins Krankenhaus. „Wir dachten schon, das war’s. Letztlich haben wir einen Sketch komplett gestrichen, die Verena hat noch zusätzlich fünf weitere Rollen übernommen, meine Frau ist spontan eingesprungen und dann haben wir es durchgezogen“, sagt Regisseur Stefan Scharfenbaum.
Zugespitzte Alltagsszenen

„Es durchgezogen“ trifft aber bei weitem nicht den Kern. Was Verena Kleine, Birgit Bange, Annemarie Scharfenbaum, Lars Flenner, Reinhard Becker und Stefan Scharfenbaum vor den spärlichen, aber phantasievoll und zweckmäßigen Kulissen zeigen, verdient einen dreifachen Almjodler bei Sonnenauf- und Untergang.

Es sind typische Alltagsszenen mit Wiedererkennungswert. Das „Blind Date“ zwischen Fix-und-Foxi-Heft-Sammler und Weihwasserkesselbekleberin, das zärtliche Anbahnen auf der Parkbank, bei dem der Teufel dem schüchternen Mann auf die Sprünge hilft oder das Kartoffelschälen, das den Kerl fast zur Berufsunfähigkeit führt („Soll ich die Dinger rund oder pyramidenförmig schnitzen?“).
Alle Register gezogen

Ob norddeutscher Dialekt oder Kohlenpott-Slang, ob zartes Lispeln oder lautes Brüllen – die Maulaffenfeil-Leute ziehen unterstützt von vielen Helfern hinter den Kulissen alle Register. Und dass Shoppen für Frauen letztlich nur eine Ersatzbefriedigung mit nahezu erotischem Höhepunkt sein kann – das war manchem Zuschauer durchaus neu. Motto: „Shoppen statt ..ppen“

Zig Kostüme und Perücken müssen in fliegendem Wechsel hinter der Bühne übergestülpt und übergeworfen werden. Das sieht so perfekt aus, dass man mitunter gar nicht merkt, dass hier nur sechs Leute spielen. Um den Mitakteuren dafür ausreichend Zeit zu geben, machen Toni und Vroni als Marianne-und-Michael-Verschnitt eine ausgesprochen gute Figur. Oft wird dabei improvisiert und das Publikum mit einbezogen. Vermutlich ist keine der vier Aufführungen wie die andere.

Inklusive Pause sind „Männer und Frauen“ drei Stunden kurzweilige Unterhaltung – besser als jeder Fernsehabend. „Ja Mei, Vroni und Toni – geht da no was?“ Ja, sogar noch zweimal: am 10. und 11. November. Aber leider, leider sind alle Termine bereits ausverkauft. Für die Karten haben die Zuschauer im Sommer mitunter stundenlang angestanden, um hinterher festzustellen: Ausverkauft, nix geht mir, schoad! Sakrafix nochamoal!

Thomas Winterberg

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